Ende G-Lände: McDriver fuhr den Mercedes G 450 d und den Mercedes G 580 EQ. Tradition gegen Transformation. Ein Doppelpack-Testbericht mit Stern.

Der neue G 450 d und der (noch neuere) G 580 EQ sind zwei Seiten derselben Ikone: der eine der klassisch-kräftige Diesel‑G, der andere der vollelektrische Versuch, den Würfel in die Zukunft zu katapultieren.


Optisch bleiben beide klar als G erkennbar, mit steilen Scheiben (CW-Wert schau oba!), der stehenden Front und der seitlich angeschlagenen Hecktür, das Facelift bringt vor allem Detailarbeit bei Schürzen, Kühlergrill, Aerodynamik und Dämmung.

Das Ergebnis: Noch immer Würfel mit Einschlagskrater‑Charme, aber akustisch kultivierter, gerade auf der Autobahn.

Innen sitzt man in beiden Versionen hoch über den Dingen in einer Mischung aus Geländewagen‑Kommandozentrale und Luxuslounge, mit MBUX‑Infotainment, Digitalinstrumenten, hochwertigen Materialien und der typischen senkrechten Sitzposition.

Platz vorne und hinten reicht locker für vier Erwachsene.





Der Kofferraum ist groß, aber durch die hohe Ladekante und die seitlich aufschwingende Tür im Alltag nicht ganz so praktisch wie bei einem SUV mit Heckklappe.

G 450 d: Der souveräne Diesel
Im G 450 d arbeitet ein 3,0‑Liter‑Reihensechszylinder-Diesel mit Mildhybridsystem, der maximal 470 PS leistet und mächtig Drehmoment bietet; die 9‑Gang‑Automatik verteilt das alles butterweich. Auf Tempo 100 stürmt der Diesel‑G in 5,4 Sekunden, bei rund 210 km/h ist Schluss – schneller will man mit diesem fahrenden Turbo-Schuhkarton ohnehin selten unterwegs sein.

Der Motor passt hervorragend zum Charakter der G‑Klasse: kraftvoll von unten heraus, akustisch gedämpft und mit dem Gefühl, jederzeit Reserven zu haben. Das optionale adaptive Fahrwerk bügelt trotz Leiterrahmen und Starrachse hinten erstaunlich viel weg, ohne die typische, leicht „truckige“ Grundanmutung völlig auszumerzen. Man spürt Masse und Aufbauhöhe, aber der G 450 d bleibt auf der Straße überraschend manierlich und vermittelt viel Ruhe.

Beim Verbrauch ist der Diesel die bodenständigere Wahl: Im Alltag lassen sich, je nach Fahrprofil, um die neun Liter realisieren, Langstrecke mit moderatem Tempo vorausgesetzt. Für ein über 2,5‑Tonnen‑Geländetier mit Allrad, Untersetzung und Sperren ist das zivilisiert – und der große Tank sorgt für Reichweiten, von denen viele E‑SUVs nur träumen.

G 580 EQ: vier Motoren, viel Masse
Der G 580 EQ geht einen radikal anderen Weg: Vier Elektromotoren – je einer pro Rad – liefern knapp 600 PS und vierstellige Newtonmeter. Der Sprint auf 100 km/h gelingt in unter fünf Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei etwa 180 km/h. Vom Antritt her fühlt sich der Elektro‑G eher wie ein Performance‑SUV an als wie ein klassischer Geländewagen.

Im Unterboden steckt ein großer Akku, der das Leergewicht massiv nach oben treibt, gleichzeitig aber den Schwerpunkt senkt. Das bringt in Kurven Vorteile, weil sich die G‑Klasse weniger stark zum Wanken aufschwingt, als man bei diesem Format erwarten würde.

Auf der Autobahn fordert der aerodynamische Ziegelstein allerdings seinen Tribut: Die Praxisverbräuche liegen – je nach Tempo – eher in Richtung 30 kWh und darüber, bei zügiger Fahrt auch bei gut 40 kWh.

Die offizielle Reichweite bleibt im Alltag daher wohl meist Theorie. Realistisch sind eher um die 350 Kilometer, wenn man sich Mühe gibt. Im Stadt‑ und Landstraßenbetrieb lässt sich der Verbrauch drücken, aber der EQ‑G bleibt energetisch ein Schwergewicht – physikalisch wie bilanziell ;-).

Im Diesel‑G hört man bei Reisetempo mehr Abroll- und Windgeräusche als in einer aerodynamisch günstigen Luxuslimousine, aber das Facelift hat den Geräuschkomfort spürbar verbessert. Der Sechszylinder selbst hält sich dezent, brummt nur beim kräftigen Beschleunigen markanter, und die Abstimmung zielt klar auf Komfort, nicht auf Sport.

Der elektrische G wirkt akustisch nochmals eine Spur feiner, weil der Motorsound wegfällt und nur Wind und Reifen bleiben. Gleichzeitig spürt man die Masse: Beim Bremsen und flotten Richtungswechseln erinnert der EQ‑G daran, wie viel Akku und Karosserie hier unterwegs sind. Das spontane Ansprechen der E‑Motoren macht ihn aber beeindruckend agil, vor allem im Antritt aus dem Stand und beim Herausbeschleunigen aus Kurven.

Die G‑Klasse bleibt auch mit Facelift eine ernstzunehmende Offroad‑Maschine – beim Diesel wie beim Stromer. Der G 450 d bietet klassisch Leiterrahmen, große Böschungswinkel, drei sperrbare Differentiale und Untersetzung. Damit schafft er im Gelände Dinge, bei denen viele SUV längst kapitulieren.


Beim G 580 EQ übernimmt die Elektronik einen Teil der „Sperrenarbeit“: Die vier Einzelmotoren können jedes Rad gezielt ansteuern und so Traktion dort aufbauen, wo man sie braucht. Unterstützt wird das durch spezielle Offroad‑Programme und eine Art virtuelle Untersetzung, die im Gelände erstaunlich fein dosierbares Kriechen ermöglicht. Limitierend bleiben – wie beim Diesel – vor allem Größe, Gewicht und der Respekt vor der teuren Außenhaut, weniger die Antriebstechnik.

Preisseitig bewegen sich beide Versionen dort, wo man eine G‑Klasse verortet: verdammt weit oben ;-). Der Diesel punktet mit günstigerem Energiepreis pro Kilometer und der Möglichkeit, jederzeit in wenigen Minuten vollzutanken. Der Elektro‑G verlangt nach geplanter Ladeinfrastruktur und DC‑Schnellladern auf Tour – im urbanen Umfeld mit eigener Wallbox relativiert sich das.


Im Alltag macht sich der G 450 d als Langstrecken‑ und Reisegerät stark: Reichweite, Zugkraft und Souveränität passen zusammen. Der G 580 EQ spielt seine Stärken vor allem dort aus, wo man oft rekupieren kann und das spontane Drehmoment Spaß macht – Stadt, Umland, kurze bis mittlere Strecken. Wer regelmäßig mit Anhänger und hoher Kilometerleistung unterwegs ist, wird mit dem Diesel entspannter fahren.





Wenn man den Kult um die G‑Klasse entkernt, bleiben zwei sehr spezielle Fahrzeuge, die unterschiedlicher kaum sein könnten – obwohl sie sich Karosserie und Image teilen. Der G 450 d ist der rationalere G: kräftiger Diesel, noch akzeptabler Verbrauch, große Reichweite und die bekannte Geländetechnik, die aus dem Würfel einen souveränen Reisewagen und Offroad‑Partner macht.


Der G 580 EQ ist mehr Statement als Vernunftentscheidung: ein elektrischer Saurier, der mit brutaler Kraft und leiser Lässigkeit zeigt, was technisch möglich ist, aber beim Energiehunger wenig Rücksicht auf Effizienztabellen nimmt. Wer den authentischsten G sucht und regelmäßig weite Strecken fährt, landet beim 450 d. Wer sich den Luxus eines emotionalen Elektro‑G leisten kann, findet im 580 EQ die radikal moderne Interpretation einer alten Legende. Ende G-Lände.. 🙂


Danke fürs Einbremsen auf meinem Blog und DRIVE CAREFULLY!
Dern McDriver

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